Mit Entsetzen haben wir die Veröffentlichungen zur neuen Vorhabensliste der Stadtverwaltung Chemnitz in der Presse (FP online 20.4.2026) zur Kenntnis genommen.
Aus Sicht des Viadukt e.V zieht die Stadtverwaltung die völlig falschen Konsequenzen aus der Diskussion um den Standort des Schauspielhauses. Die Priorisierung des Opernhauses und die daraus ableitbare Forderung nach der Integration des Sprechtheaters in das Opernhaus (wie von einigen Stadträten, z.B. von der SPD, vorgeschlagen) kann nur zu einem Rückgang des Angebotes der Theater Chemnitz und damit zu einem Kulturabbau führen. Im Jahr 1 nach der Kulturhauptstadt Chemnitz und wenige Wochen vor dem Beginn des Festivals "Theater der Welt" in Chemnitz ist das ein katastrophales Zeichen für die zukünftige Kulturpolitik der Stadt Chemnitz.
Die von Teilen der Bevölkerung und vielen Akteuren aus dem Chemnitzer Kulturleben sehr engagiert geführte Diskussion um den Standort des Sprechtheaters in Chemnitz ist an erster Stelle ein Streit für die Kultur in der Stadt, für das Theater mit seiner langjährigen Tradition und dem ehemals ausgezeichneten Renommee. Dabei geht es selbstverständlich auch um eine kostengünstige und finanzierbare Variante, um gute Arbeitsbedingungen am Theater, um effektive Abläufe etc.
Der Streit um den Standort wird aber auch geführt, weil die bisher favorisierte Variante „Spinnbau“ ungelöste Fragen bezüglich der Stadtentwicklung und der Aufrechterhaltung des Denkmalschutzes für das alte Schauspielhaus am Park der Opfer des Faschismus hinterlässt. In einem Thesenpapier, das der Viadukt e.V. im Februar veröffentlicht hatte, hat sich der Verein für die Sanierung des alten Schauspielhauses ausgesprochen.
In der weiteren Beschäftigung mit der Thematik und im Licht der jüngsten Wende in der Position der Stadtverwaltung kann man nur zu einem vernichtendem Urteil über die Vorgehensweise der Stadtverwaltung kommen. Die These, dass das Vorgehen der Stadt bei der Suche nach einem zukünftigen Standort für das Sprechtheater planlos wäre, hat sich nun auf groteske Weise bestätigt und es verdichtet sich der Verdacht, dass der Vorschlag für die Variante „Spinnbau“ unseriös war.
Wenn man daraus die Konsequenz gezogen hätte, und zu einem geordneten, nicht nur die finanziellen Aspekte der Standortentscheidung einbeziehenden, Verfahren zurückgefunden hätte, dann wäre das eine richtige Entscheidung gewesen. Aber die Idee, wenn keine Einigkeit über den Standort besteht, dann soll es eben gar kein Schauspielhaus mehr geben, ist eine grobe Missachtung der Bürger (und Abgeordneten), die für eine zukunftsfähige Kultur in der Stadt streiten.
Wenn wir irgendeine Lehre aus dem Kulturhauptstadt-Jahr ziehen können, dann ist es die Gewissheit, dass Kultur für ein positives Bild einer Stadt, für Lebensqualität und produktive Auseinandersetzungen wesentlich ist. Die Stadtverwaltung hat jetzt noch die Gelegenheit Fehler zu korrigieren, sich für eine starke Kultur einzusetzen und gute Bedingungen für das Theater zu schaffen, statt sich auf die abschüssige Bahn des Kulturabbaus zu begeben.
Der Viadukt e.V. und das Stadtforum Chemnitz haben versucht, die Diskussion um den Standort produktiv zu führen, haben zahlreiche Kontakte zu Fachleuten und Architekten geknüpft und versucht Unterstützer für das alte Schauspielhaus zu vernetzen. Als eine Maßnahme hatte der Verein einen offenen Brief an die Stadtverwaltung geschrieben und eine Liste mit Fragen mit der Bitte um Antwort binnen 4 Wochen vorgelegt. Diese Frist ist in der vergangenen Woche verstrichen, ohne irgendeine Reaktion der Stadtverwaltung. Selbst eine einfache Eingangsbestätigung schien nicht nötig zu sein.